




Die Villa Maund, versteckt auf einem heute zugewachsenem Waldklapf über Schoppernau, ist eine jener architektonischen Kleinode, die besser immer unentdeckt geblieben wären. Zuviele romantische Begebenheiten verbinden sich mit diesem Haus, das ein schrulliger ,englischer Adeliger, der etwas zwielichte Bankier und Alpinist Sir John Oakley Maund im Jahr 1895 errichtet hat. Um die Exotik dieses komplett in Holz errichteten und bis heute vollständig eingerichteten Waldschlösschens zu verstehen, muß man sich klar machen, dass - von England aus - Indien im Jahr 1895 um ein vielfaches einfacher - und vielleicht auch schneller - zu erreichen war, als der weitgehend wegelose, im wahrsten Sinne hinterwäldlerische Bregenzer Wald. Trotzdem: die Exzentrik schaffte sich ihren Raum: und was für einen Raum!
Der Architekt des Anwesens war - vielleicht - William Morris, der zuvor für Oakley Maund zwei ähnliche Häuser in der Schweiz gebaut hatte. Baumeister, Zimmermeister, Tischlermeister für Bau und Interior waren aber allesamt Bregenzerwälder Handwerker.
Sir John Oakley Maund konnte sein exzentrisches Domizil nur relativ kurz geniessen. Er wurde im Jahr 1902 romantisch ermordet, in Italien, in einer Seitengase, von einem verschmähten Liebhaber, wie man sagte, erschlagen mit einem Sandsack. Was sich ab da und bis heute auf diesem versteckt gelegenen und weitgehend nur zu Fuß (oder heute: per Hubschrauber) erreichbaren Holzhaus erreignete, gehört in das Reich der Spekulation und Mythen. Der deutsche Kronprinz nutzte die Villa des öfteren als Jagdhaus, von hohen Nazis wurde gemunkelt, die dort bei Kriegsende Schätze vergrabend gesehen wurden. Zwischen 1995 bis 2007 lebte der Vorarlberger Künstler und Aktionist Paul Renner in der Villa Maund. Er ließ die alten Traditionen wieder aufheben. Und wieder munkelte man von nächtlichen Gelagen in der Villa, mit illustren, internationalen Gästen wie Ferran Adria, Günter Brus, Zaha Hadid, Daniel Spoerri oder Eckart Witzigmann, nebst Entouragen.
Der heutige, rührige Pächter ist ein Wirt im Ort unten, und er versucht, das inzwischen recht klapprig gewordene Kleinod mit Leben - sprich mit schnöden Touristen - zu füllen. Der mythische Ort, der früher exzentrische Adelige, deutsche Kronprinzen, Nazibonzen und persische Stararchitektinnen beherbergte, ist in einer Art realen Wirklichkeit angekommen. Die Villa Maund ist tot, gestorben in Schönheit.