Sanierung Palais Wertheimer ÖJM Eisenstadt Unterberg



Sanierung des Palais Wertheimer/ Österreichisches Jüdisches Museum
Eisenstadt Jerusalemplatz

Samson Wertheimer (1658 bis 1724) war Wiener Hofjude und Gelehrter in Wien, Kreditgeber und Finanzberater des Kaiserhauses und ab 1703 mit dem Titel Oberhoffaktor. Wertheimer galt als rabbinisch gelehrt und unterstützte den Druck hebräischer Schriften. 1693 wurde er von der jüdischen Gemeinde Eisenstadt zum Ehrenrabbiner und vom Kaiser zum ungarischen Landesrabbiner ernannt. In Eisenstadt ließ Wertheimer mit 61 Jahren das nach ihm benannte Palais errichten.

Dieses Palais in der Unterbergstraße 6 ist der nach dem Schloss Esterhazy der größte und vielleicht bedeutendste Profanbau Eisenstadts. Das zweigeschossige Gebäude wurde im Jahr 1719 von Samson Wertheimer offensichtlich zu Teilen über einem Vorgängerbau errichtet und nach einem Brand im Jahr 1795 umgebaut. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurde das Gebäude nach einem abermaligen Brand verändert.

Im Palais Wertheimer in Eisenstadt befindet sich seit 1982 das Österreichische Jüdische Museum.

Im Frühjahr 2003 wurde mit der Bestandsaufnahme und den Analysen (Auswertung historischer Fotos, chemische Auswertungen der Altputze, Restauratorenbefunde etc.) als Grundlage für die Fassadensanierung begonnen. Diese Untersuchungen führten zur Erstellung eines Pflichtenheftes als Grundlage der Sanierung.
Die Sanierung der Fassade im Sommer und Herbst 2005 umfasste die Entfernung des schadhaften und unsachgemäßen Zementputzes, die Sanierung der Fenster, des Portals, der Verblechungen, der Steinmetz – und Restauratorenarbeiten sowie der Malerarbeiten.
Die ursprünglich im Erdgeschoss vorhandene, mächtige Bändergliederung, die nur mehr in wenigen Resten vorhanden war, wurde anhand historischer Fotos rekonstruiert. Die gesamte Fassade wurde in denkmalgerechter, historischer Kalktechnik aufgebaut. Das Sanierungsergebnis führte am Ende zu einer mustergültigen Fassade im Bereich der österreichischen Denkmalpflege.
Einige tiefe, durchgehende Risse im Mauerwerk wurden ausgemauert bzw. meterweise mit Calixschlämme ausinjiziert. Die Putze sind teilweise bis zu 8 cm stark, die in mehreren Schichten als Fresco (nass in nass) nach den Grundlagen traditioneller Putztechniken aufgebaut wurden, wobei eine vollständige Zementfreiheit als wichtigstes Sanierungsziel galt. Es wurde daher ausschließlich mit Sumpfkalk mit der teilweisen Beimischung von NHL – Luftporenbildern saniert.
Die Natursteine wurden schonend mittels CO2 – Verfahren (möglichst wenig Wasser) gereinigt, wenn notwendig ergänzt und schließlich mit einer Schutzschlämme aus Sumpfkalk überzogen. Die bestehenden Verblechungen wurden so weit wie möglich ausgebessert bzw. erneuert. Die bestehenden Kastenfenster sowie das Holzportal wurden wo notwendig saniert und anschließend mit Ölfarbe neu gefasst.
Für die Färbelung wurde nach Farbbefunden durch das BDA eine Fassung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgewählt, in lindgrün und steingrau.
Die äußerst hochwertigen Schmuckelemente wurden durch eine Restauratorin übergangen und in einer historischen Goldockerfärbelung (als Imitat eines Goldtones) gefasst.

Mitarbeit: Wolfgang Jost
Fotos: Rainer Schoditsch

  • for ÖJM
  • In/ by Eisenstadt
  • year 2004
  • Teilen
View Live Demo