EFH Eisenhütte, KLosterneuburg



Einfamilienhaus

Klosterneuburg   Eisenhütte

Das flächenmäßig kleine, aber optisch recht stattliche, hoch aufragende Bauwerk (ca. 116 m²) steht auf einem steilen, parkähnlichen, mit Großbäumen bestandenen Hanggrundstück in Klosterneuburg. Die ganze Umgebung wird durch gepflegte und eingewachsene Altvillen bestimmt, ein distinguierter und unprotziger Quartiercharakter. Die Intention des Entwurfs bestand darin, das Haus nicht nur innig mit dem steilen Grundstück und seinem schönen Altbaumbestand zu verschmiegen, sondern auch den Neubau in dieser gepflegten, harmonischen Klosterneuburger Park- und Villenlandschaft gleichsam verschwinden zu lassen. Der Neubau sollte also von Anfang an Altbauqualitäten haben, es war aber auch das erklärte Ziel der engagierten Bauherren, ein extrem natürliches Haus zu bauen, das zwar heutigen Energiestandards entsprechen sollte, jedoch nur aus wirklich gesunden und natürlichen Materialen bestehen sollte. Letztlich entstand ein wirklich kostengünstiges und ungewöhnliches Niedrigenergiehaus mit bescheidenen 116 m² Wohnfläche auf zwei Geschossen.
Die Wände bestehen aus fünfzig Zentimeter dicken, lediglich kalkverputzten Ziegeln, die Böden sind mit bis zu 4 cm starken, extrem breiten und ausdrucksstarken Tannendielen ohne Nuten belegt, wobei jeder einzelne Ziegel und jedes einzelne Tannenbrett ausgependelt und im Hinblick auf seine richtige Lage angeordnet wurde. Das Erlebensgefühl über solch einen Boden mit seiner elementaren Wucht zu gehen ist unvergleichlich. Ein vergleichbarer sinnlicher Eindruck stellt sich normalerweise nur bei Altbauten ein. Als Heizung wurde eine innovative Bauteilheizung gewählt, wobei nur die exponierten Bauteile, also zum Beispiel die halbmeterdicken, heimeligen französischen Fensternischen beheizt sind. So werden im Winter die fast mittelalterlich anmutenden Fensternischen zu gemütlich warmen, faszinierenden, bewohnbaren Zusatzflächen, die wie aus der Hausmasse herausgeschält wirken. Ergänzt wird die Bauteilheizung durch einen zentral angeordneten, gusseisernen Bullerjan Ofen, jenem gewaltig schönen Ofenungetüm der kanadischen Holzfäller.
Das äußere Erscheinungsbild entspricht durchaus diesen ungewöhnlichen Innenraumqualitäten.
Das kompakte Haus ist subtil warmgrau gefärbelt, die französischen Fenster sind durch weiße Holzläden mit beweglichen Lamellen belebt, das ungewöhnliche Dach ist nach zwei Seiten über dem quadratischen Grundriss über die Diagonale geneigt, und geht somit, wie der Baukörper mit seinem leichten, kaum wahrnehmbaren Knick in der Fassade auf die Hangsituation ein.
Der besondere Charakter dieses Hauses wird auch durch die sorgfältige Inszenierung des Zugangs erlebbar.
An der Straße befindet sich ein großes Carport. Von dort führen gleich drei verschiedene Wege wie die Arme eines Tintenfisches über das geneigte Gelände zum Haus, wobei alle drei Wege bei einem kleinen, offenen, winddurchspülten Eingangspavillon enden. In diesem Minibauwerk weist eine signalrote Tür unmissverständlich den Weg in das Haus. Die der Straße abgewandte Südwest-Ecke hingegen ist vollständig verglast und durch große Schiebeelemente vollständig zur Sonne hin zu öffnen. Das Haus verbindet sich an dieser Stelle mit einer großen Holzterrasse (70 m²), die über dem Steilhang schwebt und bis zu dem Hausbaum reicht, der durch die Terrasse durchwachsen wird. Auf diese Weise wirkt die Terrasse wie ein Baumhausplateau, auf der unmittelbar vor dem offenen Wohnbereich im erhöhten Erdgeschoss trotz des steilen Hanges alle Arten von Außenaktivitäten stattfinden können.
Im Obergeschoss befinden sich drei großzügige Privaträume. Dem Schlafzimmer vorgelagert ist ein Verandaobjekt aus einer luftigen Holzlattenkonstruktion, ein intimer Ort mit grandioser Aussicht, hoch in den Bäumen. In diesem beinahe orientalisch anmutenden, vogelnestartigen Pavillon in luftiger Höhe verbinden sich Bodenständigkeit und weltenbummelnde Reiselust der besonderen Bauherren zu einem gebauten Ausdruck einer besonderen und bewussten Haltung, als Ausdruck des Respekts vor der Schöpfung.

Fotos: Manfred Horvath

  • for privat
  • In/ by Klosterneuburg
  • year 2003
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