Dachausbau/ Eisenstadt


Hoher Nussbaumweg

Am Hang über Eisenstadt steht in einem schönen, gepflegten Garten mit Swimmingpool ein gewöhnliches Siedlungshaus aus den siebziger Jahren. Bisher musste man auf das Walmdach dieses Hauses klettern, um von dort aus durch kleine Dachfenster einen traumhaften Ausblick über Eisenstadt genießen zu können. Dieser Ausblick steigert sich vom Dachfirst aus zu einem geradezu dramatischen Panoramablick über Neusiedler See, Wulkaebene und Rosaliengebirge. Dass dieser gewaltige, befreiende Blick immer nur den Tauben und Spatzen vorbehalten bleiben sollte, leuchtete der Bauherrenfamilie nicht ein: im ungenutzten Dachraum sollte daher ein Gästeappartement mit kleinem Bad entstehen, das – natürlich ganz nebenbei – mit großzügigen Terrassenanlagen auf weiteren zwei Geschossen ausgestattet ist. Dazu wurde im Bereich des Dachfirstes eine großzügige Auswechslung in Holz vorgenommen und in das alte Dach eine Holzbox mit Südverglasung hineingestellt. Die äußere Erscheinung des Aufbaus ist bewusst unscheinbar, die Wände und Dachteile wurden einfach mit dunklem Blech verkleidet, welches die gleiche Farbe wie die Dachdeckung aufweist. Der im Inneren entstehende Raum, der in einem schwedischen Ambiente in hellem Kiefer ausgeführt wurde, ist entsprechend der Proportion des Gesamtanwesens relativ hoch, ein großzügiger, hoher Atelierraum, ein klassisches Belvedere (schöner Blick), wobei Kastenelemente, Betten etc. teilweise als Einbauelemente unter der Dachschräge eingebaut sind. Vor dem Panoramafenster des Appartements befindet sich eine kleine, blickgeschützte Terrasse. Von dort führt eine Wendeltreppe schließlich auf das Dach der Holzbox, von wo aus der zwingende Grund für die Existenz dieses Lusthäuschens offenbar wird: eine unmittelbar vor dem Betrachter liegende pannonische Landschaft, unverbaubar für ewige Zeiten. Der italienische Schriftsteller Curtio Malaparte brachte die Idee eines Hauses mit Aussicht einmal auf den Punkt: als ein Besucher wissen wollte, ob dessen von ihm entworfenes, berühmtes Haus mit Blick auf die Faraglioni Felsen auf Capri auch wirklich von ihm gebaut wurde, antwortete Malaparte: Das Haus war schon da, aber die Landschaft ist von mir.

Mitarbeit: Wolfgang Jost

Fotos: Manfred Horvath

  • for Privat
  • year 2006
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