Ausstellungsgestaltung Die Esterhazy Stallungen/ Eisenstadt


Esterhazy Stallungen

Das Ensemble rund um das Schloss Esterhazy in Eisenstadt ist von  überregionaler, historischer und kulturhistorischer Bedeutung. Die Anlage umfasste ursprünglich Schlosspark, Orangerie, Stallungen, Domänenverwaltung, Judenstadt und einen Meierhof. Die 1799 vom Wiener Baumeister Heinrichi als Stall- und Hauptwachegebäude errichteten Esterhazy Stallungen vis a vis des Schlosses nehmen in diesem System als komplexes Wirtschaftsensemble mit Repräsentationsanspruch eine zentrale Stellung ein. Mit ihrer toskanischen Kollosalsäulenordnung zum Schlossplatz und ihrer spätbarocken, geschlossenen Scheinfassade zum ehemaligen fürstlichen Sommerreithof stellen die Esterhazy Stallungen ein wegen ihrer Geschlossenheit, Größe und historischen Bedeutung wichtiges Zeugnis der (ungarischen) Geschichte dar. Es besteht aus dem zur Stadt hin orientierten Osttrakt, (heute Esterhazy Privatstiftung) den ehem. Stallungen und der fürstlichen Reitschule (heute Restaurant und burgenländische Landesgalerie), dem ehemaligen fürstlichen Reithof und dem weitgehend leerstehenden Trakt der ehemaligen fürstlichen Wagenremise, die zum Schlossplatz hin durch die ehem. fürstliche Hauptwache (heute Vinothek Selektion) abgeschlossen wird.

Die veränderte Situation am Beginn des 21. Jahrhunderts bringt für die ehemaligen Stallungen des Schloss Esterhazy Bedeutungsänderungen mit sich. Diese Neusituierung wird früher oder später zu einem Kulturbezirk Schloss Esterhazy führen. Wir wurden beauftragt, die Potentiale der Stallungen im Hinblick auf Tourismus, Gastronomie, Kultur und kommerzieller Wertschöpfung zu untersuchen. Im Rahmen einer Broschüre und einer Ausstellung in einer leerstehenden Tischlerei in den Stallungen konnten wir unterschiedlichste Möglichkeiten dieser städtebaulichen Schleuse aufzeigen.

Alle diesbezüglich notwendigen baulichen Eingriffe standen für uns dabei unter dem Leitmotiv, die Substanz zu erhalten bzw. zu verbessern, den Gebäudekomplex aber dennoch gezielt zu öffnen und eine gemischte Nutzung zu ermöglichen. Die größte Möglichkeit sahen wir damals im Bereich der ehemaligen fürstlichen Kutschenremise, der durch einen neuen Hauptzugang im Süden und den Einbau einer Galeriepassage mit attraktiven, geschäftsgesäumten Wegen zum Schloss und dem Zubau von vermietbaren Flächen kommerziell aufgewertet werden sollte.

Ausstellungsbauten sind traditionell ein wichtiges Experimentierfeld für Architektur. Unser Konzept eines Laufsteges als Präsentationsebene war extrem leicht. Die Konstruktion wurde aus Ziegellatten in zwei Nächten zu einem äußerst filigranen statischen System zusammengeschraubt. Auf einem Laufsteg gab es in Augenhöhe einen Guckkasten, am Ende der Präsentation befand sich ein Schreibpult, auf dem ein Gästebuch lag. Dort konnten die Besucher ihre Meinung eintragen. Begleitend zur Ausstellung haben wir auch den Event und den ausführlichen Dokumentationsband entwickelt.

 

Mitarbeit: Wolfgang Jost, Peter Wolf

Fotos: Peter Jakadofsky

  • for Esterhazy Privatstiftung
  • year 1998
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