Apotheke in Eisenstadt

Barock`n Roll für Körper und Geist

Fotos: Manfred Horvath

Die Salvator Apotheke in Eisenstadt vereinigt nach der Neugestaltung des Offizins durch den Eisenstädter Architekten Klaus-Jürgen Bauer Tradition und Innovation. Die neue Apotheke verkörpert solcherart das Lebensgefühl unserer Zeit.

Die Salvator Apotheke in Eisenstadt ist in einem historischen Gewölbe aus dem 17. Jhdt. Untergebracht. Da diese Apotheke bereits seit 1770 existiert, sind in regelmäßigen Abständen Erneuerungen an der Substanz notwendig. Weil große bauliche Änderungen in der bestehenden Struktur nicht möglich (und auch nicht nötig) waren, wurde neben der weitgehend unsichtbaren technischen Erneuerung (Planung Fritz Brandlhofer) im Sommer und Herbst 2006 das Erscheinungsbild des Offizins - also der Verkaufsfläche der Apotheke - völlig neu strukturiert. (Planung Klaus-Jürgen Bauer) Die wesentliche Idee der Erneuerung besteht im sinnlichen " Spürbar - machen " der Verbindung zwischen Tradition und Innovation. Dies betrifft den respektvollen Umgang mit der wertvollen Bausubstanz genau so wie den Wunsch der Bauherrin, Frau Mag. Sabine Müntz, dass ihre Kunden ihre "alte" Apotheke auch nach dem Umbau wieder erkennen sollten, schließt aber keineswegs die radikale Weiterentwicklung eines modernen, zukunftsorientierten Dienstleistungsunternehmens im Hinblick auf Telekommunikation oder zeitgemäßen Verkaufsphilosophien aus. Auch zeitgeistige Überlegungen wie Feng Shui sind in die Gestaltung eingeflossen: so wurde etwa im gesamten Offizinbereich die Ausbildung von scharfen Ecken oder Kanten vermieden. Dass Erscheinungsbild des neuen, im Gegensatz zu früher doppelt so großen Offizins wird durch leicht bewegte Elemente aus geflämmtem, europäischen Nussholz mit blassblauen Einlagen geprägt. Dies ist eine traditionelle Farbkombination, die in unserem Raum seit Jahrhunderten den bewährten Farbcode für Apotheken darstellt und durch den die unterschiedlichen Funktionen zu einem einheitlichen, ruhigen, gewohnten Erscheinungsbild zusammengefasst werden, wobei eine neobarocke Bewegtheit des Ganzen durchaus zur Vereinheitlichung beiträgt. Im Zentrum des Offizins stehen zwei große Apothekerschränke, davor die als verdrehte Kuben gestalteten Verkaufspulte, vis a vis die Regale und Vitrinen für die Freiwahl der verschiedensten Gesundheitsprodukte. Sämtliche Elemente nehmen einerseits subtil Bezug auf das komplexe bauliche System von Gewölben, Zwickeln, Rundungen, sind aber andererseits durch moderne LED-Beleuchtungen in ihrer Tektonik betont und inszeniert. Im hinteren Offizin wurde eine bisher verschlossene Tür aus dem 18. Jahrhundert sowie ein Fenster geöffnet und ihren ehemaligen Funktionen zugeführt. Dadurch kann auch der Innenhof als erweiterte "Spielfläche" für die Apotheke genützt werden. Im Anschluss an das Offizin wurde noch ein kleiner, intimer Raum für Hauttherapiezwecke eingerichtet. Für die Kunden entstehen solcherart eine Reihe von Möglichkeiten, diese erzeugen das angestrebte, zeitgemäße Apotheken - Infotainment, eingebettet in der traditionellen "Nussschale. Die Apotheker wiederum bewegen sich auf einem fast hundert Meter langen "walk of sanity" durch die ganze Länge des Gebäudes, wobei die hinteren Teile mit Labor, Lager, Sozialraum, Arbeitsbereichen etc. für die Kunden nur indirekt, über die Fassade wahrgenommen werden können.

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