Polizeistadtwache und Wohnbau STADTBALKON, Rusterstraße 10 in Eisenstadt
Bauherr: Neue Eisenstädter Wohnbaugesellschaft, Fertigstellungsjahr: 2010
Fotos: Manfred Horvath
Dieses gerade fertiggestellte Projekt signalisiert eine Trendwende im Geschoßwohnbau des Burgenlandes. Statt vorkonfektionierte Blöcke an die Ortsränder zu stellen, beschritt die Neue Eisenstädter Wohnbaugesellschaft unter der Leitung von Direktor Anton Mittelmeier neue Wege. Auf einem winzigen Restgrundstück im Stadtzentrum – nur wenige Meter vom Schloss Esterhazy entfernt – wurde anstelle der funktionslos gewordenen, alten Feuerwehr aus der Spätbiedermeierzeit ein spektakulärer Geschoßwohnbau mit acht großzügigen Innenstadtwohnungen, einem Penthouse sowie der neuen Stadtwache Eisenstadt errichtet.
Die Lage des stark exponierten Grundstücks, an dem jeden Tag bis zu
30. 000 Fahrzeuge vorbeifahren, ist eine Besondere und wohl unwiederholbar
in Eisenstadt: das Bauwerk dominiert den relativ großen Platz hinter
den Esterhazy Stallungen, der nach der geplanten Umgestaltung zu einer shopping
mall städtebaulich stark aufgewertet sein wird. Nach Norden gibt es
einen wunderbaren Ausblick auf Altstadt, Schloss und Schlossgarten, an der
Südseite beginnt unmittelbar die Ruhelage eines hochwertigen Wohnquartiers.
Auf diese Schnittmengenlage reagiert der Entwurf zum einen durch die Höhenentwicklung,
die sich aus der Umgebung definiert. Andererseits wird die Situation durch
die Gliederung und Staffelung verschiedener Baukörper auf dem Grundstück
selbst zum Ausdruck gebracht, wobei der viergeschossige Bauteil die Höhe
der Umgebungsbebauung aufnimmt.
Aus diesem Bauteil entwickelt sich, leicht in den Straßenraum vorspringend, ein eleganter Turm als eine architektonische Analogie zu den nahegelegenen Schlosstürmen. Die Fassade des Turmes wird durch tanzende Fenster strukturiert. Gekrönt wird das Terrassenwohnhaus durch ein großzügiges Penthouse mit gleichzeitigem Ausblick auf Schneeberg, Schloss und Neusiedler See. An der Südseite entstand eine komplexe, nach oben hin gestaffelte Terrassenlandschaft, die sich vor den Wohngeschossen entwickeln. Alle Wohnungen sind solcherart weitgehend vom starken Verkehr abgewandt und bieten dennoch ein zeitgemäßes Wohnen in der Stadt.
Das bestehende Polizeigebäude wird durch einen schmalen, leicht auskragenden Baukörper überbaut, der noch einmal im Bauplatz städtebauliche Akzente schafft. Details wie der weit auskragende Romeo und Julia Balkon an der ansonsten fensterlosen Ostseite oder die subtilen Färbelungen der Fensterlaibungen kommunizieren mit Stadt und Autofahrern. All das, was bei diesem Projekt an Standards und Details diesmal noch nicht umgesetzt werden konnte, bleibt eine Aufgabe für die Zukunft. Der wesentliche Schritt jedoch zu mehr gestalterischer Qualität im Geschoßwohnbau des Burgenlandes ist mit diesem Projekt gesetzt.
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