Raab: der nasse Platz
Der Hauptplatz von Raab (Györ) heißt natürlich Széchenyi Platz, nach dem allergrössten Ungar, etwas Anderes wäre kaum vorstellbar. Den Platz dominiert städtebaulich die jesuitische St. Ignatiuskirche, die früheste Barockkirche in Ungarn, bereits im Jahr 1636 nach der Wiener Norm und nach dem unverkennbaren Vorbild von S. Ignacio in Rom begonnen. Der Architekt Bartholomäus della Torre kam - das war zu dieser Zeit üblich und fast monopolistisch - aus Como. Die Arbeiten gestalteten sich - auch das war normal - zögerlich, das Geld floss spärlich. Das Baumaterial kam übrigens zum grossen Teil aus dem kaiserlichen Steinbruch (Kaiser - Steinbruch) am Leithaberg.
Die wunderschöne Pestsäule am Platz hat übrigens einen Zwilling in Österreich: die Wiener Neustädter Mariensäule ist die Gleiche wie die Raaber Säule, identical twins, nur der Figurenschmuck ist in Niederösterreich üppiger. Hat vielleicht damit zu tun, dass Wiener Neustadt und Raab die beiden wichtigsten Festungen unserer Region waren.
Heute wird der Plaltz weiters definiert durch ein in die Hosen gegangenes PPP - Projekt: was aussieht wie das Rathaus, ist ein von englischen Geldgebern durch gröbste Historisierungen leider vernichtetes Gebäude, eine Investorenbrache.
Was aber wirklich gut funktioniert hat, ist das neue Oberflächendesign des Platzes: elegantes Material, eine wohltuende Leere, sinnvolle Einbaukonzentrationen und vor allem die netten Wasserspiele, die an diesem heißen Sommertage von den Kindern in einem endlosen Gaudium richtig und sinnvoll - urban eben - benutzt werden, lässt mein Herz erfreuen. Gruß an den Architektenkollegen, dem das gelungen ist!
Leider trübt der Terrorakt einiger Wirte am Platz, die glauben, dass sie mit dummen, dummen AUSSENLAUTSPRECHERN die Klänge der städischen Natur verbessern müssen, die Szene. Schwamm drauf, Ohren versiegelt, bitterböseste Blicke auf die Verursacher geworfen, weitergezogen: mit charmanter und äusserst wissender, museal ausgebildeter Begleitung übrigens.

