Ödenburg/ Sopron: Der architektonische Friedhof
22. November 2012Dieser Friedhof ist erstaunlicherweise voll mit architektonisch sehr reinzvollen Kleinarchitekturen, vor allem aus der Endzeit der Monarchie und der Zwischenkriegszeit, als einige große Namen in dieser schöenen Stadt ihre Architekturgeschäfte betrieben haben. Dem sollte durchaus mal nachgeforscht werden.
Der Anlass des Besuches war weniger erfreulich: mein guter Freund, der Journalist, Filmemacher und Geschäftsmann Laszlo Varga liegt jetzt dort begraben. Viel gäbe es über ihn zu erzählen, sein Schicksal und sein Lebensweg war wirklich erstaunlich. Er wird mir fehlen.
Ödenburg: Bauernblöcke
30. Januar 2011Eine alte Strategie landwirtschaftlicher Orte ist das Versetzen der Hausblöcke. Es entsteht dadurch ein größerer Wendekreis für die großen, oft sperrigen Fuhrwerke.
Dass die sozialistischen, internationalen Stadtplaner der siebziger Jahre sich bei der Errichtung dieser Wohnblöcke in der Umgebung umgeschaut haben, ist irgendwie lustig.
Ödenburg: am Wiener Hügel
23. Mai 2010Am Wiener Hügel in Ödenburg gibt es eine Sommerrodelbahn. Unten, am Fuß des Hügels steht das Bahnhofsgebäude der Rodelbahn. Es wurde als spitzdachiges, romantisches Gebäude im Stil rumänisch- siebenbürgischer, ungarisch- nationalromantischer Gebäude errichtet, ein weiteres Symbol des post- trianon Lebensgefühls im heutigen Ungarn, am Wiener Hügel.
Ödenburg: der süsse Bau
23. Mai 2010Auf einem Hügel über der Stadt hat ein Entrepreneur der alten Schule eine Schokoladerie errichtet. Das ist ein klassischer Fall. Jeder hätte im Vorfeld von solch einem Projekt abgeraten: Das ist die falsche Stadt, der falsche Bauplatz, niemand braucht das, das wird nicht gehen, die Soproner sind noch nicht reif dafür, hier kann man keine moderne Architektur errichten, etc. pp.
Ich bin sicher, Karl Harrer hat viele solcher Statements gehört, vor dem Bau. Dann hat er eine Entscheidung getroffen und hat gebaut.
Jetzt steht sie da, und man wundert sich nur, warum sie nicht schon immer dagestanden hat: die Schokoladerie von Ödenburg.
Gehet also hin und esset Schokolade, liebe Burgenländer, Niederösterreicher, Wiener, Ödenburger!
chapeaux!
Ödenburg: der letzte freie Markt
23. September 2009Einer meiner erklärten Lieblingsorte, besonders im Herbst. Dieser Markt ist auf eine sehr subtile Art und Weise mit Buden umgeben, man sieht ihn nicht von Aussen. Der Einstieg in die Marktfläche erfolgt über die Ecken, wie bei Hans Holleins Mönchengladbacher Museum. Mittendrin stehen gigantische Pilzsäulen wie von Pier Luigi Nervi, die wohl Schatten auf den Markt werfen sollen, aber doch eher nur Stimmung auf den Boden malen. Diese visuellen Köstlichkeiten entschwinden allerdings angesichts der ruralen, in Hausfleiß herangezogenen, bodenständigen Köstlichkeiten, die ohne weltweiten Verwertungsdruck, ohne Kunststoffverpackung und ohne Genmanipulation auskommen, in einer Sortenvielfalt, die traurig macht.
Trotz dieser bukolischen Schönheit sind die wahren Haupdarsteller meines Lieblingsmarktes die Gesichter der meist alten Standler, die frühmorgens in ihre Hausgärten gingen und jetzt hier sitzen, um uns die namenlosen Könige der Paradeiser, die gefürsteten Grafen der Gurken und die ganze Entourage, die durchlauchtigsten Eierschwammerl und Herrenpilze anzubieten. Die wahren Kaiser seit aber Ihr, Gesichter meiner Jugend.
Ödenburg: sonniges Mittelalter, revisited
17. Mai 2009
Die Altstadt von Ödenburg bietet das Bild von Zwiebelringen. Dieses Bild betrifft nicht nur den Stadtplan alleine, sondern auch die Tiefenschichten der Häuser. Viel Mittelalter findet sich in der Stadt, vor allem sichtbar gemacht durch die tiefen Krüppelwalmdächer, wie tief ins Gesicht gezogene Schiebermützen. In den hölzernen Gaubenverkleidungen befindet sich der Vortragssaal des Ödenburger Denkmalamtes. Friedliche Schönheit eines Vorsommertages.
Ödenburg: kleine und große Hauslandschaften
19. März 2009
Die wunderbare Stadt Ödenburg ist in ihrer Stadthaftigkeit ein Produkt des seriellen Bauens Pannoniens. Dieses kollektive Gedächtnis wird in Ödenburg sogar auf den täglichen Lebensmitteln abgebildet.An manchen Stellen der Stadt stimmt dieses Bild, an Anderen nicht. Die serielle Bauweise wurde auch im realen Sozialismus nicht vergessen, die wunderbare Landschaft und die wechselnden Wetterstimmungen unseres späten und relativ strengen Winters tun das Ihrige dazu.
Ödenburg: enge, lange Gärten
1. November 2008An den südlichen Ausläufern meiner Lieblingsstadt Ödenburg finden sich hangseitig alte Gärten, ehemalige Sommerfrischen, Versorgungsanlagen der Städter. Einige dieser Grundstücke sind bereits neu bebaut, teilweise mit schrillen, abartigen Häusern, eine Art Minihollywood, ein tollwütiges Gruselkabinett von Ausstattungsfetischen, Abbilder eines erhofften, besseren, westlichen Lebens.
Als extremes Gegenprogramm finden sich zwischen den Hausmonstern die eingewachsenen, verfallenden, idyllischen Gärten von früher, Gärten mit kleinen, hölzernen Minivillen aus Laubsägearchitektur. Diese Gärten weisen eine eigenartige, ebenfalls fast monströse Besonderheit auf.
Von den Gartentoren bis zu den Gebäuden führen ewig lange, dichte doppelreihige Hecken aus Buchsbaum, aus Eiben, aus Hainbuchen. Diese Heckenschlangen folgen der Topographie, über Berg und über Tal. Manche sind so schmal, das man nicht zwischen den Heckenwegen gehen kann.
In wenigen Jahren bereits werden die ewig langen Doppelhecken von Ödenburg zwischen den Burgen des neuen ungarischen Mittelstandes verschwunden sein.












