Parndorf: Club der toten Häuser

2. März 2009

parn1.jpgparn2.jpgparn3.jpgparn4.jpg   Im unmittelbaren Ortszentrum der wohlhabenden und durchaus aufstrebenden Gemeinde Parndorf - jeweils nur wenige Schritte vom Gemeindeamt entfernt - finden sich eine überraschend große Anzahl von offensichtlich aufgegebenen Häusern. Manche dämmern noch vor sich hin, andere sind ganz offensichtlich dem Verfall preisgegeben, verharren jedoch in einem bizarren Zwischenstand zwischen Sein und Nichtsein. Während rund um den Ort sich  neues Leben regt, neue Baustellen entstehen, verfallen Teile des Ortszentrums, offensichtlich ohne weitere Kenntnisnahme. Schöner wird der Ort dadurch vielleicht nicht, so, wie ein Gebiss mit zunehmenden Zahnlücken weder schön noch gesund ist. Sterbende Häuser als Zeichen schneller und radikaler Veränderungen.

Parndorf: Großimmobilie aus der Römerzeit

17. Januar 2009

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Die berühmte Villa in den Äckern zwischen Parndorf und Bruckneudorf teilt ihr Schicksal mit anderen, einzigartigen archäologischen Stätten wie Stonehenge in Großbritannien.  Obwohl diese Villa eine der bedeutendsten, antiken Profanbauwerke auf östereichischem Boden ist, ist sie - wie Stonehenge auch - vom schweren, lauten Verkehr der nahen, sehr nahen Autobahn und anderer Straßen umzingelt.

Die Ausgrabung ist zwar recht hübsch präpariert und für Besucher aufbereitet,  jedoch dieselben werden kaum die kümmerliche Abfahrt von der Schnellstrasse auf den Feldweg, der zur Villa führt finden und daher halt gleich Richtung Wien oder - je nach dem - Richtung Bratislava weiter fahren.

Schade eigentlich. Denn sonst könnte man mit den Besuchern vor Ort die alte Frage diskutieren, an welcher Stelle man diese Villa vom Typus Porticusvilla mit Eckrisaliten eigentlich betreten hat. Von vorne, über den Porticus? Seitlich? Von hinten? Architektonische Rekonstruktionen von Archäologen sind immer eine lustige Sache.

Parndorf: ein Phallus richtet sich auf

5. Dezember 2008


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Der Blick aus dem Zug zeigt das umstrittene Hotel in der Parndorfer Heide, ein Hochhaus.

 

Die Form dieses Bauwerks ist augenscheinlich. Man sieht einen Phallus mit zwei Hoden, aufgerichtet, aber dennoch nicht besonders groß. Harmlose Drohgebärde, unklare Symbolik.

 

An diesem Ort, der zur Zeiten der römischen Antike einen vermutlich sogar kaiserlichen Palast beherbergte, wird diese Symbolik sogleich klarer. Es handelt sich beim Parndorfer Hochhaus um einen überdimensionalen postantiken Priaps.

 

Priapos ist der Sohn des Dionysos und der Aphrodite. Um die Leichtfertigkeit der Mutter zu bestrafen, verlieh Hera ihm ein monsterhaftes Aussehen mit ausgeprägten phallischen Merkmalen. Aus dieser Legende entsprang der römische Brauch, in den Vorgärten überdimensionale Penise aufzustellen.

 

Diese Droh- und Abschreckungsgebärde  gegen ungebetene Gäste ist im englischen Sprachraum in einem Sprachdokument lebendig geblieben, dem überall gehörten fuck you.

 

In unseren Gefilden wurden aus den römischen Priapen etwas Anderes, nämlich die niedlichen Gartenzwerge mit ihren roten (sic!) Mützchen. Hier schließt sich der Kreis endlich. Der riesige Priaps von Parndorf bewacht den Garten Burgenland vor den bösen Anderen, nichts weiter.