Gmünd: das Palmenhaus ohne Palmen
15. August 2010Gmünd klarerweise schön, Schloss wunderbar, Schlosspark allerliebst. Aber am aller, aller, allerliebsten dortselbst ist das Palmenhaus aus den 1860er Jahren.
Errichtet hat dieses perfekt proportionierte Bauwerk Erzherzog Sigismund, nachdem dieser die Herrschaft Gmünd erworben hatte. Das Gewächshaus klebt an der Südostecke des Schlossparks und wird lokal als das Palmenhaus bezeichnet. Das frühhistoristische, vollkommen regelmäßig gegliederte Bauwerk mit neun großen, rundbogigen Achsen steht in Niederösterreich einzigartig da. Durch Kriegsschäden und wütende Russen war das Baujuwel dann ziemlich ramponiert und von der Schleifung bedroht. Im Jahr 1982 wurde das frühere Gewächshaus als Veranstaltungslokal revitalisiert. Oder, wie eine kritische lokale Stimme meint:
Ein bis zwei Mal im Monat wird dieser Saal für mit Kultur verwandte Veranstaltungen genützt, obwohl in Zeiten des Stimmenaufkaufes diese meist politischer Natur sind.
Lustiger Kulturkampf in Gmünd, man kann sichs jedenfalls vorstellen. Lehrreich auch, wie ein Kollege - ein örtlicher Architekt laut Firmentafel - mit seinem Firmengebäude auf das Baujuwel vis a vis reagiert hat. Ich bringe niemals negative Beispiele, denn die Welt ist Gottseidank voll genug mit schönen Dingen. Hier nun mal die löbliche Ausnahme. Wer sein Schönheitsgefühl also ein bisserl verwirren möchte, der braucht nur nach Schrems fahren. Der Vergleich macht uns sicher.