Wien: Urban Gardeners
10. Mai 2013Auf einer winzigen, platzartigen Erweiterung im 5. Bezirk findet unter Bäumen eine kleine Messe oder Börse für Kakteenfreunde statt. Wie wenig braucht es: ein paar Bäume, ein paar Tische, ein paar interessante Objekte und fertig ist die Grundlage, der Gründungsanlass, die Existenzberechtigung für jede Stadt: ein Markt.
Wien: Das Geisterhaus
10. Mai 2013Im 5 Bezirk steht dieses vollständig bewachsene, desolate, aber offensichtlich (noch) bewohnte Haus. Ein wunderbares Lied von Tom Waits fällt mir dazu ein:
There’s a house on my block
That’s abandoned and cold
Folks moved out of it a
Long time ago
And they took all their things
And they never came back
Looks like it’s haunted
With the windows all cracked
And everyone call it
The house, the house where
Nobody lives
Tom Waits, The house where nobody lives (Mule Variatons)
Wien: Innerstädtischer Wohnbau, unaufgeregt
10. Mai 2013Wien: Die blauen Rollos
10. Mai 2013Wien: Das Art - Deco Portal
5. Mai 2013Schwechat: Das Zauberschloss
4. Mai 2013Eine ehemalige Mühle, Stofffabrik, Lederfabrik, ein Arbeiterquartier, das irgendwann in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert zwischendurch zum Schloß mutiert ist. Bekanntester Schlossherr war der Wunderheiler Franz Anton Mesmer, ein Arzt vom Bodensee, der mit seiner Erfindung - dem Mesmerismus - eine europaweite Mode auslöste. Nach seiner Schrift De planetarum influxu in corpus humanum - Über den Einfluss der Gestirne auf den Menschen - würden nämlich die Planeten das menschliche Nervensystem beeinflussen. Von den Planeten kam Mesmer dann auf die leichter vermarktbaren Magneten, die durch ihre natürlichen Strahlen ebenfalls eine heilsame Wirkung auf tierische und menschliche Organismen haben sollten. Im Jahr 1777 jedenfalls wurde von einer durch Maria Theresia einberufenen Expertenkommission festgestellt, dass Mesmers Heilmethode Betrug sei. Für ein Leben im Schloss reichte es jedoch allemal, denn er machte abseits aller Zauberei etwas sehr Bodenständiges: er heiratete eine sehr reiche Witwe mit einem Schloss. So einfach geht das manchmal, wenn die Anziehung passt.
Seit dem Jahr 1967 gehört das Objekt jedenfalls der Stadtgemeinde Schwechat, die dort ein Kulturzentrum betreibt.
Wien: Die echte Gründerzeitgasse
3. Mai 2013Weil die Begriffe öfters mal durcheinanderkommen: das, was wir öfters als Biedermeier ansehen, wie hier die Bernardgasse im siebenten Wiener Gemeindebezirk - ist meistens in wirklich klassische, gleichförmig gestapelte Gründerzeit, klassische Zinskaserne, klassische Laubengang- und Bassena-Armut, mit mehr als lapidaren, finsteren, unwürdigen Höfen: so wurde in Wien gebaut bis zum Quasi - Staatsbankrott des Jahres 1873. Was danach kommt - und wozu wir oft genug lässig Gründerzeit sagen - ist streng genommen schon Historismus.
Weiden: Die Schloßmauer ohne Schloß
2. Mai 2013Faszinierendes Objekt: handwerklich einwandfrei gemacht, aus offensichtlich alten Backsteinen und Eisengittern, formal auch absolut in Ordnung, nur - und das verblüfft mich jedes Mal aufs Neue: der großen Geste folgt kein Inhalt.
Aber eigentlich macht das nichts: es ist trotzdem ein schöner, nichtindustrieller Zaun.
Mönchhof: Der letzte Dorfbauer
2. Mai 2013Das ist die Geschichte des Josef Haubenwallner, der eines Tages beschlossen hatte, die untergehende, bäuerliche Welt des Heidebodens im Alleingang vor dem Untergang zu bewahren. Der gelernte Maurer und leidenschaftliche Sammler begann daher, auf seinem Grundstück in Mönchhof, dass in typisch burgenländischer Manier an der Strasse mit einem Haus - seinem Haus - bebaut war - und weit, weit nach hinten ging, mit anderen, besonderen, alten Häusern zu bebauen. Es waren baufällige, traurige Häuser und ihre Einrichtungen. Sie wurden aufgegeben, sie waren dem Abruch geweiht, sie waren nicht mehr notwendig. Haubenwallner baute die Häuser und Interieurs also ab, lagerte sie zwischen, machte kleine, nur für ihn entzifferbare Zeichnungen auf Packpapier und baute danach die Häuser auf seinem Grundstück wieder auf, mit Helfern, oder manchmal auch alleine. Im Laufe der Zeit entstand solcherart ein ganzes Dorf - das seit dem Jahr 1990 auch ein Museum ist - das genau den Zeitpunkt eingefroren zu haben scheint, an dem die große Zeitenwende stattfand: den Moment nämlich, an dem das Bauen und Leben am Heideboden nicht mehr länger eine Handwerker - und Reparaturkultur war, sondern industriell bestimmt wurde.
Das, was Josef Haubenwallner manchmal vorgeworfen wird, nämlich eine freie, allzufreie Interpretation des Vorgefunden im Zuge der Wiedererrichtung vorzunehmen, ist in Wirklichkeit sein grösster Vorzug. Unter Reparatur - lateinisch reparare, wiederherstellen - versteht man ja gerade den Vorgang, ein defektes Objekt wieder in einen funktionsfähigen Zustand zurückzuversetzen. Daraus entstehen lebendige Gegenstände und Objekte einer Reparaturkultur, im Gegensatz zu toten Gegenständen und Objekten einer wissenschaftlichen Rekonstruktionskultur, die natürlich auch ihren Wert haben. Oft genug vergessen die Kritiker jedoch, dass auch ihre Ergebnisse nur Folgen von intellektuellen Interpretationen sind.
Josef Haubenwallner lebt, es geht ihm gut, er ist gesund (und möge es lange bleiben!) und genau so lebendig und gesund sind seine Bauten und Objekte. Und wenn sie kaputt, beschädigt oder notleidend sind, dann werden sie von ihm repariert. So einfach ist das. Falls noch niemand auf die Idee gekommen ist, dann würde ich Herrn Josef Haubenwallner übrigens gerne für einen Verdienstorden vorschlagen wollen.
Wer noch nie dort war: DRINGENDE Empfehlung, sich das anzuschauen!
Webtipp: http://dorfmuseum.at/


















